Vor diesem Hintergrund hat der Verein REIDA im Rahmen eines Pilotprojekts zusammen mit einer Expertengruppe, in der auch der SIV mitwirkt, und mit 13 grossen Immobilien­eigentümern einen Total Return Benchmark lanciert – als «Benchmark von der Branche für die Branche». Die Performance ist die zentrale wirtschaftliche Kennzahl: Sie verbindet laufendes Einkommen und Wertveränderung und macht Liegen­schaften über Portfolios und Segmente hinweg vergleichbar – unabhängig von Finanzierungs­struktur oder übergeordneten Organisations­kosten.

Vom CO2-Benchmark zum Total Return Benchmark

Obwohl REIDA seit 2012 im Bereich der Immobilien­finanzdaten aktiv ist, erlangte der Verein in den letzten Jahren vor allem mit dem CO2-Benchmark breite Bekanntheit. Dank der engen Zusammen­arbeit innerhalb der Branche konnte ein Standard zur Berechnung von Umwelt­kennzahlen etabliert werden, der heute von Branchen­organisationen wie KGAST, AMAS und dem Schweizer Pensions­kassen­verband ASIP übernommen wurde.

Aufbauend auf diesem Erfolg war es naheliegend, auch im Kernbereich von REIDA – den Finanzdaten – zusätzliche Vergleichs­möglichkeiten zu schaffen und den Nutzen der vorhandenen Datenbasis weiter zu erhöhen. REIDA bündelt seit seinen Anfängen umfangreiche Datenmengen seiner Mitglieder. Im Jahr 2024 umfasste der Datensatz über 3400 Renditeobjekte mit einem Marktwert von knapp CHF 80 Milliarden über alle Nutzungsarten und Regionen der Schweiz.

Zum Vergleich: Schweizer Pen­sionskassen hielten gemäss Pensions­kassenstatistik des Bundesamts für Statistik im Jahr 2024 Schweizer Immobilienanlagen von rund CHF 229 Milliarden – ungefähr zur Hälfte direkt und zur Hälfte indirekt über ­A­nlage­stiftungen und Immobilienfonds. Diese Grössenordnung zeigt, dass bereits eine sehr substanzielle Datengrundlage vorhanden ist – und dass sie mit weiteren teilnehmenden Organi­sationen künftig weiter­wachsen wird.

Was ist ein Total Return Benchmark?

Im Rahmen des Total Return Benchmarks werden die Informationen aller einliefernden Portfolios zu Portfolio­stammdaten, Flächen, Transaktionen und Transfers, Jahresend­bewertungen sowie Erfolgs­rechnungen auf Ebene Liegenschaft (inkl. Angaben zu Capex) vereinheitlicht. Dadurch werden mehrere tausend Rendite­objekte mit unter­schiedlichen Eigentümern harmonisiert und entlang einheitlicher Definitionen vergleichbar gemacht.

Der Total Return Benchmark fokussiert klar auf den Markt der Schweizer Rendite­immobilien – mit dem Ziel, eine branchenweit konsistente, nach­voll­ziehbare und praxis­taugliche Vergleichs­grundlage für die Performance von Bestands­liegenschaften bereitzustellen. Im Zentrum steht nicht die individuelle Bilanz- oder Finanzierungs­logik einer Organisation, sondern die wirtschaftliche Leistung der Liegenschaft selbst. Voraussetzung dafür sind klar definierte Abgrenzungen (z. B. bei Erträgen, Bewirtschaftungs­kosten, Leerstands­positionen, Capex) sowie ein standardisierter Umgang mit Sonder­effekten und Portfolio­veränderungen.

Auf dieser Basis kann für jedes Objekt eine Einkommens­rendite und eine Wertänderungs­rendite bestimmt werden; zusammen ergeben sie den Total Return. Ergänzend wird – sofern Transaktionen und Transfers vorliegen – eine Rendite­komponente aus Käufen/Verkäufen ausgewiesen. Diese Trennung ist wichtig, weil sie unterschiedliche Ursachen sichtbar macht: laufende Ertragskraft, markt- beziehungsweise bewertungs­getriebene Wertveränderung sowie realisierte Effekte aus Transaktionen.

Beeindruckende Durchschnitts­performance

Die Benchmark-Daten über 15 Jahre zeichnen ein klares Bild: Seit 2010 resultierte über alle Nutzungsarten hinweg eine durchschnittliche Gesamt­performance (Total Return) von 5,7 Prozent pro Jahr. Diese setzte sich aus einer Einkommens­rendite von 3,6 Prozent pro Jahr und einer Wertänderungsrendite von 2,1 Prozent pro Jahr zusammen. Letztere wurde über weite Strecken massgeblich durch das sinkende Zinsumfeld und die damit verbundenen Bewertungs- beziehungsweise Diskontierungseffekte begünstigt.

Gleichzeitig zeigt sich eine strukturelle Verschiebung in der Ein­kommens­rendite: Die jährliche Einkommensrendite nahm im Zeitverlauf ab – von durchschnittlich 4,6 Prozent im Jahr 2010 auf 3,1 Prozent im Jahr 2024.

Über den gesamten Zeitraum stach insbesondere die Nutzungskategorie Woh­nen hervor: Mit einer durch­schnitt­lichen Gesamtperformance von 6,2 Prozent pro Jahr erzielte sie die höchste Rendite. Re­­gional zeigten sich die stärksten Ergebnisse in der Region Zürich und in der Genfer­seeregion. Besonders die Kernstädte im Wohnsegment profitierten dabei von der deutlichen Senkung der Diskontierungssätze (siehe Grafik).

Vergleiche auf Ebene Portfolio und Einzelobjekt

Der Total Return Benchmark ermöglicht teilnehmenden ­Organisationen, die eigene Performance auf Portfolio­ebene konsistent gegen den Markt einzuordnen – nicht nur als Gesamt­­kennzahl, sondern getrennt nach Einkommens- und Wertänderungs­­rendite. Der entscheidende Zusatznutzen liegt in der Performance-Attribution: Abweichungen gegenüber dem Bench­mark können in einen Allokations­­effekt und einen Selektions­­effekt zerlegt werden. Der Allokations­­effekt zeigt, ob die Performance vor allem daraus resultiert, welche Segmente über- oder untergewichtet sind. Der Selektions­effekt zeigt, ob die Organisation innerhalb ihrer Segmente besser oder schlechter performt als der Markt.

Auf Einzelobjektebene können Liegenschaften mit dem passenden Vergleichs­­segment gegenüber­gestellt werden, etwa «Wohnen Zürich Kernstadt». Das unterstützt die Plausibilisierung von Bewertungen und Annahmen, macht Ausreisser transparent und hilft, Prioritäten im Portfolio­­management zu setzen.

Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht durch die Verbindung mit dem REIDA CO2-Benchmark: Einliefernde Portfolios können CO2-Absenkung und finanzielle Performance gemeinsam betrachten. So wird nach­vollziehbar, wie sich Dekarbonisierungs­­­pfade in der Performance niederschlagen und wo Ziel­konflikte oder Synergien zwischen Klima- und Rendite­zielen entstehen.

Was ist für Schätzer relevant?

Im Rahmen einer DCF-Bewertung werden zahlreiche Annahmen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite getroffen. Der Benchmark liefert hierfür einen praxis­tauglichen Referenz­rahmen, insbesondere zur Einordnung von Marktmieten und Miet­wachstum, Leer­ständen und Kosten­komponenten in entsprechenden Segmenten. Damit lassen sich Annahmen plausibilisieren, ohne die objekt­­spezifische Analyse zu ersetzen.

Der Total Return Benchmark be­­findet sich derzeit noch in der Pilotphase. Ziel ist es, daraus ein dauerhaftes Produkt zu entwickeln, das den teilnehmenden Organisationen einen unmittelbaren Nutzen bietet und gleichzeitig als öffent­liches Gut der Branche dient. Je breiter die Datenbasis wird, desto robuster werden Segment­vergleiche – und desto grösser wird der praktische Mehrwert für Bewertung, Port­folio­steuerung und die Weiter­entwicklung gemeinsamer Standards.

REIDA (Real Estate Investment Data Association) ist eine nicht gewinnorientierte Organisation mit dem Ziel, die Marktdatenlage und das Marktwissen im Bereich der Schweizer Immobilienanlagen laufend zu verbessern. Getragen wird REIDA von über 30 Mitgliedern aus der Immobilienbranche.

Der REIDA Total Return Benchmark wird gemeinsam mit dem Pooling-Agenten Alphaprop und 13 Pilot­organisationen entwickelt. Das Ziel ist eine branchennahe, einheitliche Vergleichsgrundlage zur Per­formance von Schweizer Rendite­immobilien.

Zur Person
Dr. oec. HSG Thomas Spycher ist Ökonom und Datenspezialist. Als Mitgründer der Alphaprop AG (alphaprop.ch) fokussiert er auf ­Daten und digitale Tools im Bereich der direkten und indirekten Immobilien­anlagen.