Beispielsweise taugt die 7 als Ordnungssystem für eine ziemlich unromantische Frage: Wie organisieren wir das prognostizierte Wachstum der städtischen Bevölkerung bis 2050? Und zwar stadträumlich, ökologisch, sozial und wirtschaftlich? Um diese Aufgabe innerhalb von 4000 Schriftzeichen (inklusive Leerschläge!) zu lösen, mache ich es auf die martullosche Weise: 7 Thinking Steps! Siebenstufig, faktengetreu und systematisch führe ich durch den Denk-, Lösungs- und Entscheidungsprozess. Fragen und Einwände sind nicht vorgesehen. «I’m sorry, gäll!»
1. Problem
Wo fange ich an? Beispielsweise mit der omnipräsenten Verkehrsdiskussion mit überlasteter Infrastruktur. Oder aber mit der nach wie vor unter den Teppich gekehrten Umweltverschmutzung, der unbestreitbaren und dennoch nicht in kausalem Zusammenhang bringen wollenden Überhitzung oder der rasant zunehmenden sozialen Schieflage. Etwas tiefer gehend käme mir noch Folgendes in den Sinn: fehlende stadträumliche Visionen, limitierende Regelwerke, die ökonomisch vertretbare Entwicklung zum Erstarren bringen, oder die Mutlosigkeit, qualitative Ziele einzufordern. Die Folge sind Orte ohne Identität und Zentrum – geprägt von beliebiger Architektur, übermässiger Versiegelung, horrenden Bodenpreisen. «Vertrauen is good, but control much besser!»
2. Ursache
Nennen wir das Kind beim Namen: Zersiedlung. Sie bedeutet nicht nur geringe Dichte, sondern ein System der Trennung. Kaum jemand wohnt und arbeitet noch am selben Ort. Diese Trennung führt zu höheren Emissionen und Haushaltskosten. Ein wesentlicher Treiber liegt in den von mir heiss geliebten Zonenvorschriften. Vor rund 70 Jahren aus gutem Grund entstanden, sind sie seit 50 Jahren ein Verzweiflungsakt. Eine Formelsammlung, die das Grundeigentum, unser höchstes Gut, sichern will und nebenbei noch unseren Lebensraum zu steuern versucht. Zweidimensional, farbig, starr und weitgehend frei von qualitativen Attributen. «Sprawl is a system, not an Unfall.»
3. Worst Case
Bleiben wir selbstgefällig und unnachgiebig, wächst die Stadt weiter in die Horizontale statt in die Vertikale. Die Pro-Kopf-Infrastrukturkosten steigen ins Unermessliche, und die CO2-Ziele rücken in weite Ferne. Strassenbau wird gefeiert, Grünraumkonzepte hinken hinterher und die Qualität öffentlicher Räume verschwindet von der To-do-Liste. Nicht zu vergessen die Zunahme des Verwaltungsapparats, die Überforderung der Behörde und die Lustlosigkeit der Jugend, sich für die Zukunft ihres Ortes zu engagieren. «The Pflästerlipolitik goes on.»
4. Lösung
Ein zukunftsfähiges System ist die Kombination aus Regel, Qualität und Preis, und zwar lange vor der Übersetzung in ein Planungsinstrument. Was es braucht, sind langfristige, gesamtheitliche dreidimensionale Visionen aus Daten und Gestaltung, mit allumfänglicher Partizipation und Reflexion. Qualität ist Ausgangspunkt der Stadtplanung und kein nachträglicher Korrekturversuch zulasten des Grundeigentümers. Verdichtung ist nicht nur eine Worthülse, sondern wird zielgerichtet ermöglicht und gefordert, mit der Bedingung: am richtigen Ort. Ausscherende Ansprüche und Dynamiken haben ihren Preis. «Design it. Price it. Deliver it.»
5. Konsequenzen
Der Zonenplan ist keine Option, genauso wenig die Trennung von Top-down-Regelwerken und fehlenden Gesamtkonzeptionen. Raum verstehen. Raum gestalten. Raum verhandeln. Und zwar in dieser Reihenfolge. «Let’s make some noise.»
6. Entscheidung
Zeit für einen Paradigmenwechsel. «Let’s face it.»
7. Ergebnis
Wie wollen wir leben? Lange, gesund und glücklich, schätze ich! Wo? In attraktiven, grünen und durchmischten Städten. Zu Fuss oder per Fahrrad, gut ÖV-vernetzt, zwischen Parks und Natur. Auf welche Art? Gemeinsam, fair und durchmischt.
«You have to fix it!»

