Die Siedlungsfläche in der Schweiz ist in den letzten 30 Jahren stetig gewachsen – das bedeutet auch mehr Arbeit für Immobilienbewerterinnen und -bewerter. Branche und Fachbereich sind nicht mehr die gleichen wie noch vor wenigen Jahrzehnten: Aus Einzelmasken wurden Berufsverbände, aus Autodidakten nach offiziellen Richtlinien ausgebildete und geprüfte Experten. Und obwohl es in der Schweiz mehrere Verbände gibt, arbeiten diese bei Bedarf zusammen. Ein Beispiel dafür sind etwa die Bewertungsrichtlinien «Swiss Valuation Standard», die SIV, SVIT und RICS Switzerland gemeinsam veröffentlichen. Sie sind ­heute zum Referenzpunkt der Schweizer Immobilien­bewertung geworden. Die Zoom-­Redaktion hat Fakten und Zahlen zusammengetragen, die einige Veränderungen und Meilensteine im Bewerter­wesen aufzeigen. 

Autodidakten, ­erste Diplome und neue digitale Berufe

1990

Bis Mitte der 1990er-Jahre: Schätzer von Grundstücken waren fast ausschliesslich Einzelpersonen. Sie agierten ohne spezifische ­­­Aus- oder Weiterbildung als Autodidakten. 1

1999

9 Frauen und 54 Männer erhielten erstmals den ­Titel «Immobilien-Schätzer bzw. Schätzerin mit eidgenössischem Fachausweis». 2005 wurde die Bezeichnung zu «Immobilien­bewerterin/­-bewerter mit eidgenössischem Fach­ausweis» ­geändert. 2

2010

Ab Mitte der 2010er-Jahre: Neue Funktionen entstehen in der Immobilienbranche: 6 Prozent aller Unter­nehmen in der Schweizer ­Immobilienbranche beschäftigen im Frühling 2019 beispielsweise einen Chief Digital Officer (CDO). 3

2020

Neben dem eidgenössischen Fachausweis gibt es heute Aus- und Weiterbildung auf Hochschulniveau wie etwa den CAS Immobilienbewertung oder den MAS Real Estate Management, die von der SIV-Ausbildungsinstitution SIREA in Zusammenarbeit mit Schweizer Fachhochschulen angeboten werden.

Die Branche organisiert sich

1974

Die Vereinigung der amt­lichen Schätzer des Kantons Bern (VAS) wird gegründet.

1979

Die leitenden Schätzer in der Verwaltung schliessen sich in der Vereinigung kantonaler Grundstücks­bewertungsexperten (VKG, ab 1993 SVKG) zusammen.

1988

Der Schweizerische Verband der Immobilien-Treuhänder (SVIT) schafft die interne Schätzungsexperten­kammer (SEK-SVIT).

1989

In der Westschweiz schliesst sich die «Chambre suisse d’experts en esti­mations immobilières» zusammen.

1998

Der Schweizer Immobilienschätzer-Verband (SIV) wird in Bern gegründet. An der ersten Mitgliederversammlung im April 1999 zählt der Verband bereits 306 Mitglieder, davon elf Unter­nehmen.

2003

Mit der Royal Institution of Chartered Surveyors, Switzerland (RICS) erfolgt die vorerst letzte Verbandsgründung in der Schweiz. 4

Siedlungsfläche in der Schweiz

Einheitliche ­Bewertungsstandards und ein Berufskodex

2007

Vertreter des SIV, des SVIT und von RICS Switzerland erarbeiten und veröffent­lichen gemeinsam die «Swiss Valuation Standards». Diese werden mittlerweile als Immobilien­bewertungsstandards der Schweiz von allen relevanten Verbänden und Hochschulen getragen. Sie ­heissen deshalb heute in der Einzahl «Swiss Valuation Standard» (SVS). 5

2014

Basierend auf den SVS erlässt der SIV seine Standesregeln in drei Sprachen. Diese für die ­SIV-Mitglieder geltenden Regeln schreiben unter anderem vor, die Pflichten gegenüber Auftraggebern «sachkundig, ehrlich und integer» zu erfüllen. 6

Pioniere und ihre Publikationen

1945

veröffentlicht der Zürcher Tiefbauamt-Mitarbeiter Adolf Hägi das Buch «Die Bewertung von Liegenschaften». Es ist das erste Lehrbuch zur Schätzungslehre in der Schweiz über nicht landwirtschaftlich ­genutzte Grundstücke. 7

1958

veröffentlicht der Zürcher Architekt Wolfgang Naegeli das Buch «Die Wertberechnung des Baulandes», das die Lageklassenmethode postuliert. Dieses Buch entsteht basierend auf seinen Erfahrungen als Schätzungsexperte und als nebenamt­licher Bezirksrichter in ­Meilen. Um bessere Methoden für die Berechnung des Baulandwertes zu finden, wertet Naegeli unter anderem über 200 Schätzungen aus einem Zeitraum von 83 Jahren systematisch aus. 8

1984

legt der ETH-Bauingenieur und Ökonom Kaspar Fierz in der Schriftenreihe der Treuhandkammer das Werk «Wert und Zins bei Immo­bilien» vor. Fierz setzt erstmals auf die Berechnung von Ertragswerten mittels der Barwertmethode und betrachtet die Immobilienschätzung konsequent aus ökonomischer Perspektive. 9

1993

gibt der Berner VAS unter Leitung des Immobilien­experten Francesco Canonica das Buch «VAS-Schätzerlehrgang – Praktische Anleitung für Grundstückschätzer» vor. Ebenfalls mit Canonica als Autor legte der SIV 2000 das Lehrbuch «Die Immobilienschätzung. Schätzerlehrgang Grundwissen» vor. Beide ­Bücher dienten der Vermittlung von Schätzerwissen im Selbststudium. 10

2020

soll eine Schriftenreihe rund ums Thema «Immobilien­ökonomie» erscheinen. ­Autoren sind Stefan Fahrländer und Stephan Kloess. ­Herausgeber ist der SIV.
  1.  Hausmann, Urs: Liegenschaften wert­geschätzt – Ein Streifzug durch zwei Jahrhunderte Schweizer Bewertungsgeschichte.
       Edition Hochparterre, 2019. S. 287
  2.  Hausmann, S. 288
  3.  Digitalisierungsstudie: Immobilien­branche Schweiz, EY Real Estate Schweiz, April 2019 3 Digitalisierungsstudie: Immobilienbranche
       Schweiz, EY Real Estate Schweiz, April 2019
  4.  Hausmann, S. 285–287
  5.  Camenzind, M., Schnider, L.G. & Schweizer, M.: Fair-Value-Bewertung von Immobilienprojektentwicklungen.
       Igel Verlag RWS, 2010. S. 42
  6.  SIV-Standesregeln
  7.  Hausmann, S. 18
  8.  Pfister, Stefan & Ochsner, Beat: Die Geschichte der Immobilienbewertung in der Schweiz. In: CUREM Zürich (Hrsg.):
       Immobilienwirtschaft aktuell. 2009, vdf Hochschulverlag, S. 7.
  9.  Pfister & Ochsner, S. 17.
  10.  Hausmann, S. 287
  11.  BfS, Arealstatistik 
  12.  Wüest Partner, Immo-Monitoring, 2020/1
  13.  Wüest Partner, Immo-Monitoring 2008/1